Glossar

Pratyāhāra

Pratyāhāra bezeichnet im Yoga das Zurückziehen der Sinne von äußeren Reizen. Es bildet das fünfte Glied des achtgliedrigen Yogawegs und bereitet Konzentration und Meditation vor.

Definition

Pratyāhāra bezeichnet im Yoga das bewusste Zurückziehen der Sinne von äußeren Reizen. Es ist das fünfte Glied des achtgliedrigen Yogawegs (Aṣṭāṅga Yoga) nach Patañjali und markiert den Übergang von äußerer zu innerer Praxis.

Hintergrund

Der Begriff prati („zurück") und āhāra („Aufnahme", „Zufuhr") verweist darauf, dass Sinneseindrücke nicht länger unbewusst aufgenommen werden. In den Yoga Sūtras des Patañjali (Sūtra II.54–55) wird Pratyāhāra als Zustand beschrieben, in dem die Sinne dem Geist folgen, anstatt von äußeren Objekten bestimmt zu werden.

Im klassischen Yoga wird Pratyāhāra nicht als Isolation von der Welt verstanden, sondern als bewusste Regulation der Wahrnehmung. Die Sinne werden nicht unterdrückt, sondern geordnet. Dadurch entsteht innere Stabilität und geistige Sammlung.

Auch in Texten des Haṭha Yoga wird Pratyāhāra implizit vorbereitet, etwa durch Atemlenkung, Körperruhe und fokussierte Aufmerksamkeit. Diese Praktiken schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sich der Geist von äußeren Reizen lösen kann.

Bedeutung für die Praxis

Pratyāhāra nimmt eine Schlüsselrolle im Yogaweg ein. Während Yama, Niyama, Āsana und Prāṇāyāma überwiegend nach außen oder an der Schnittstelle von Körper und Geist wirken, richtet Pratyāhāra den Übungsweg eindeutig nach innen.

In der Praxis zeigt sich Pratyāhāra beispielsweise:

  • in der Fähigkeit, bei Reizen oder Ablenkungen innerlich ruhig zu bleiben
  • in der Verfeinerung der Wahrnehmung während Āsana und Prāṇāyāma
  • als Grundlage für Konzentration (Dhāraṇā) und Meditation (Dhyāna)

In der Krishnamacharya-Tradition wird Pratyāhāra nicht isoliert geübt, sondern als natürliche Folge einer gut abgestimmten Praxis verstanden. Atemführung, rhythmische Bewegung und klare Sequenzierung unterstützen den Übergang von äußerer Aktivität zu innerer Sammlung.

Literatur

  • Desikachar 1995 – Zeigt Pratyāhāra als Ergebnis fein abgestimmter Asana- und Prāṇāyāma-Praxis.
  • Bryant 2009 – Präzise Kommentierung von Pratyāhāra als Schlüsselbegriff zwischen äußerer und innerer Praxis.
  • Feuerstein 2001 – Historische und systematische Einordnung von Pratyāhāra im Gesamtweg des Yoga.