Definition
Citta bezeichnet im Yoga das gesamte Feld geistiger Prozesse. Es umfasst Wahrnehmung, Denken, Erinnerung, Vorstellung und Aufmerksamkeit und bildet die Grundlage für alle inneren Erfahrungen.
Hintergrund
Der Sanskrit-Begriff citta wird häufig vereinfachend mit „Geist" übersetzt. In den Yoga Sūtras des Patañjali meint Citta jedoch kein einzelnes Vermögen, sondern die Gesamtheit mentaler Funktionen, durch die Erfahrung überhaupt möglich wird.
Citta schließt dabei unter anderem ein:
- Manas – Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken
- Buddhi – Unterscheidung, Einsicht und Bewertung
- Ahaṃkāra – Identifikation und Ich-Bezug
In der berühmten Definition des Yoga (YS I.2: yogaḥ citta-vṛtti-nirodhaḥ) steht Citta im Zentrum: Yoga beschreibt den Umgang mit den Bewegungen und Mustern des Geistes, nicht primär mit dem Körper.
Bedeutung für die Praxis
Für Atemarbeit und Meditation ist Citta der entscheidende Bezugspunkt. Atemtechniken, Āsana oder meditative Praxis wirken im Yoga nicht als Selbstzweck, sondern über ihre Wirkung auf Citta.
In der Krishnamacharya-Tradition und insbesondere im Viniyoga wird Praxis deshalb immer in Bezug auf den Zustand des Geistes gewählt und angepasst. Atemlenkung, Rhythmus, Fokus und innere Ausrichtung dienen dazu, Citta zu beruhigen, zu klären oder zu stabilisieren.
Ein zentrales Anliegen yogischer Praxis ist nicht die Kontrolle von Gedanken, sondern das Erkennen ihrer Bewegungen (citta-vṛtti). Erst durch dieses Erkennen wird Unterscheidungsvermögen (viveka) möglich.
Citta bildet damit die Brücke zwischen Körper, Atem und Meditation – und ist der Schlüssel zum Verständnis, warum Yoga wirkt.
Literatur
- Desikachar 1995 – Praxisnahe Darstellung der Wirkung von Yoga auf Citta im Kontext individueller Praxis.
- Bryant 2009 – Präzise Analyse von Citta und den zugehörigen geistigen Funktionen.
- Feuerstein 2001 – Historische Einordnung von Citta im Kontext indischer Bewusstseinsmodelle.