Definition
Bhrāmarī ist eine Atemtechnik (Prāṇāyāma), bei der die Ausatmung mit einem sanften, summenden Klang begleitet wird. Sie wird traditionell als beruhigend und sammelnd beschrieben.
Hintergrund
Der Sanskrit-Begriff bhrāmarī bedeutet „Biene" und verweist auf das charakteristische Summgeräusch während der Ausatmung. In klassischen Haṭha-Yoga-Texten wird Bhrāmarī als eine Form von Prāṇāyāma beschrieben, die den Geist beruhigen und innere Sammlung fördern soll.
Im Unterschied zu kraftvollen Atemformen gilt Bhrāmarī als eher regulierend und ausgleichend. Der Fokus liegt weniger auf Atemvolumen oder -intensität, sondern auf Klang, Vibration und gleichmäßigem Atemfluss.
Moderne Interpretationen – insbesondere im therapeutischen Kontext – betrachten Bhrāmarī als eine Technik, die über Vibration und verlängerte Ausatmung das autonome Nervensystem beeinflussen kann (Mohan & Mohan, 2017).
Bedeutung für die Praxis
Bhrāmarī wird häufig eingesetzt, um innere Unruhe zu reduzieren, Aufmerksamkeit zu bündeln und den Übergang in Meditation zu erleichtern. Der summende Klang kann:
- die Ausatmung verlängern,
- den Atemrhythmus stabilisieren,
- die Wahrnehmung nach innen lenken,
- die Dynamik von citta-vṛtti verringern.
In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga wird Bhrāmarī individuell dosiert und angepasst. Entscheidend ist nicht die Lautstärke oder Dauer, sondern die Wirkung auf den Menschen. Besonders in belastenden Lebensphasen kann die Technik als Teil eines Laṅghana-orientierten Ansatzes beruhigend wirken.
Bhrāmarī eignet sich zudem als vorbereitende Praxis für Meditation, da sie Atem, Klang und Aufmerksamkeit miteinander verbindet.
Literatur
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Svātmārāma. Haṭha Yoga Pradīpikā. Relevanz: Klassische Quelle zur Beschreibung von Bhrāmarī im Kontext von Prāṇāyāma.
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Mohan & Mohan (2017). Yoga Therapy. Shambhala. Relevanz: Praxisnahe Einordnung regulierender Atemtechniken im therapeutischen Kontext.
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Tiwari (2005). Yoga Therapy. Kaivalyadhama. Relevanz: Darstellung traditioneller Atemtechniken im Gesundheitskontext.
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Brown & Gerbarg (2005). Sudarshan Kriya Yogic breathing in the treatment of stress, anxiety, and depression. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 11(4), 711–717. Relevanz: Klinische Perspektive auf die Wirkung regulierender Atemtechniken auf Stress und Nervensystem (nicht spezifisch zu Bhrāmarī, aber kontextuell relevant).