Glossar

Bhāvana

Bhāvana bezeichnet im Yoga die innere Haltung und Ausrichtung, mit der geübt wird. Sie prägt die Wirkung von Atem, Meditation und Asana entscheidend.

Definition

Bhāvana bezeichnet im Yoga die innere Haltung, Grundstimmung oder Ausrichtung, mit der eine Praxis ausgeführt wird. Sie beschreibt nicht was geübt wird, sondern wie eine Übung innerlich getragen und verstanden wird.

Hintergrund

Der Sanskrit-Begriff bhāvana leitet sich von der Wurzel bhū („sein", „werden") ab und bedeutet so viel wie „Hervorbringen", „Kultivieren" oder „innere Gestaltung". In klassischen Yogatexten bezeichnet Bhāvana die bewusste Ausrichtung des Geistes auf eine bestimmte Qualität oder Bedeutung.

Im Kontext der Yoga Sūtras ist Bhāvana kein explizit benannter Technikbegriff, aber ein implizites Schlüsselkonzept: Übung wirkt nicht allein durch äußere Form, sondern durch die innere Beziehung zur Praxis. Damit steht Bhāvana in enger Verbindung zu citta, citta-vṛtti und viveka.

Auch in späteren Yogatraditionen – insbesondere im tantrischen und bhakti-orientierten Yoga – spielt Bhāvana eine zentrale Rolle als gestaltende Kraft innerer Erfahrung.

Bedeutung für die Praxis

Für Atemarbeit und Meditation ist Bhāvana von entscheidender Bedeutung. Dieselbe Atemtechnik oder Sitzhaltung kann sehr unterschiedliche Wirkungen entfalten – je nachdem, mit welcher inneren Haltung sie geübt wird.

In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga wird Bhāvana häufig implizit vermittelt: durch Sprache, Rhythmus, Zielklärung und die Art, wie Aufmerksamkeit gelenkt wird. Praxis wird dadurch nicht mechanisch, sondern sinnhaft.

Bhāvana kann sich zum Beispiel ausdrücken als:

  • sammelnde, beruhigende Ausrichtung
  • klärende, beobachtende Haltung
  • vertrauensvolle, öffnende Qualität

Entscheidend ist nicht die Benennung der Bhāvana, sondern ihre bewusste Kultivierung. In Verbindung mit Viveka ermöglicht Bhāvana, Praxis fortlaufend zu reflektieren und anzupassen – statt sie unbewusst zu wiederholen.

Literatur

  • Desikachar 1995 – Verdeutlicht implizit die Rolle von Bhāvana durch Zielklärung, Anpassung und Reflexion.
  • Feuerstein 2001 – Differenzierte Darstellung innerer Haltungen und ihrer Rolle in meditativer Praxis.